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Montag, 6. Januar 2014

Rückkehrer Teil 1: Rabat

Okay. 
Das hier sollte auch ein Nomaden-Rückkehrer-Blog sein. Weil wir, nach 14 Jahren um die Welt tingeln, im Sommer nach Deutschland umziehen werden. 
Und das wird, so befürchte ich, der schlimmste Kulturschock von allen.

Aber  nach dem Heimaturlaub (hört sich an wie Fronturlaub, nicht wahr? Ist aber der Fachbegriff im Behördendeutsch) ist jetzt zunächst mal wieder die Umstellung auf Marokko angesagt. Wobei zwei Wochen bei Muttern in Franken nicht zu vergleichen sind mit Arbeit und Alltag in Berlin. 
Und ich von den zwei Wochen in Deutschland dieses Jahr so gut wie nichts mitbekommen habe, weil ich sie mit der Veröffentlichung und Bewerbung meines Buches zugebracht habe. 
Als ein Freund mich am 26. Dezember im Chat fragte, wie das Fest gewesen sei, schrieb ich verwirrt zurück: welches Fest?

Also, wieder Rabat:  Heimkommen in das schöne geräumige Haus mit großem Wintergarten im Salon und Möbeln in warmen Afrika-Farben. Der Geruch nach Feuchtigkeit und modrigem Holz, der so gar nicht zur Eleganz der Einrichtung passen will. Passt ebenfalls nicht zur Eleganz: die wuchernde Unordnung im ersten Stockwerk. (– Nee, das krieg ich wohl nie in den Griff.)

Feuchtigkeit auch am nächsten Morgen, die Luft von draußen riecht nach Zwiebeln und kalter Waschküche – so, wie es manchmal im Haus nach Pisse riecht. 
Natürlich pinkelt weder jemand auf den Teppich, noch schießt er mit rohem Zwiebelsaft durch den Garten. Das alles macht nur die Feuchtigkeit, die sich überall festsetzt und außer Schimmel die seltsamsten Geruchskreationen hervorbringt. (Unnötig zu erwähnen, dass ich eine sehr feine Nase habe, oder?)

Die Klospülung klemmt. 
Die Lampe im Bad ist kaputt. 
Das war’s dann auch schon. Nicht zu vergleichen mit den kleinen und größeren Katastrophen, die uns in anderen Ländern bei der Heimkehr in unser Haus erwartet hatten.

Mittags kommt dann die Sonne raus, der Himmel lacht hell auf mich herunter, und ich kann mich in eine windstille Ecke der Terrasse setzen. 
Rabat ist schön. 
Aber – und es ist das ABER, das einem über lange Zeit hinweg alles madig macht, das ABER, worauf es letztlich ankommt - es ist recht leidenschaftslos. 
Uninspirierend. 
Die fade Atmosphäre ist das, was die Leute verschweigen, wenn sie auf FB Fotos von sich unter Palmen oder am Strand posten, um Bekannte in Deutschland neidisch zu machen. Sie verschweigen auch die Hundekacke im Sand, die niemand wegräumt, und dass die Strömung so stark ist, dass man nur selten unbesorgt schwimmen kann. Dass es an keinem Strand in der Umgebung von Rabat Umkleidekabinen, Duschen und Toiletten gibt, dafür ab Mai aber ganz viele Menschen.

(An einem verlassenen Traumstrand brauch ich keine Toiletten, aber an einem Strand, den Tausende frequentieren…  – hm, da will ich gar nicht weiter darüber nachdenken.)


Halt, einen hab ich vergessen: es gibt einen Strandclub in Richtung Casablanca, nicht umwerfend schön, aber dafür teuer, wo man sich für 40€ ein Tagesbett mieten kann. Dafür ist die Dusche gratis, die Toiletten auch - was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie sauber sind.

Soviel zur Momentaufnahme Rabat. Nicht umfassend, dafür subjektiv.




Freitag, 3. Januar 2014

Bonjour les nomades (Einführung und Vorstellung)


Hi.

Ich bin Bianca Savcenco, Nomadin aus Überzeugung, Autorin und desperate housewife - obwohl, seitdem ich schreibe und publiziere (
http://www.amazon.de/Sandsturm-Liebesstille-Tripolis-Bianca-Savcenco/dp/1494865467/ref=tmm_pap_title_0?ie=UTF8&qid=1388079394&sr=1-1), sind sowohl die Verzweiflung als auch die Hausfrau verschwunden: die Kinder kommen irgendwie klar, und wenn ihr kreischlautes Sofahopping meinen Schreibflow stört, schließe ich die Tür und begutachte die Schäden später. 

Meine Familie und ich, wir sind echte Nomaden, so wie +Johannes Klaus  sie beschreibt, wenn er beklagt, dass Langzeitreisende sich Nomaden nennen, obwohl sie es strenggenommen nicht sind, weil sie (meistens) irgendwann in ein sesshaftes Leben zurückkehren +Reisedepeschen - Ausgezeichnete Reiseberichte bzw: http://www.reisedepeschen.de/heilsversprechen-digitalen-nomaden/ .


Wir ziehen immer weiter, weil die Arbeit meines Mannes (Auwärtiges Amt) es erfordert, und haben keine Basis in Deutschland. Wenn wir weiterziehen, sind Kinder, Hund und der gesamte Hausstand dabei.


Nun höre ich den Aufschrei: aber ihr habt es ja gut, ihr seid finanziell abgesichert! Das stimmt. Und ohne diesen Pluspunkt würde ich es wohl kaum schon über 14 Jahre mitmachen. Zumindest eine Sicherheit braucht der Mensch. 

Denn abgesehen davon ist es schon beschwerlich, beziehungsweise abenteuerlich, genug. 

Während Traveller aus einem Land, das ihnen nicht zusagt, weiterziehen können, harren wir jahrelang aus. Ich muss nicht nur nach mir gucken, sondern nach dem ganzen Nomadenpaket, das wir mitschleppen. 

Ich muss dem türkischen Klempner in Ankara mit Handzeichen erklären, dass der Keller unter Scheiße steht. (Sein gestenreicher Vorschlag, das Problem in Zukunft zu umgehen: Klopapier in den Mülleimer werfen! Nee, okay, das kann ich machen, wenn ich einige Wochen übers Land reise, aber doch nicht vier Jahre lang in meinem eigenen Haus!) 
Ich muss mit dem kranken Säugling in Asmara abwägen, ob ich zwischen Blut hustenden, tuberkulösen Eriträerinnen auf den Arzt warten oder doch lieber daheim eine Eigendiagnose stellen will - zu der Zeit noch ohne Google, ja ohne Internet!

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen, aber es sollen ja noch Anekdoten für die anderen posts übrig bleiben.... 


Klang das jetzt wie klagen? Ich hoffe doch nicht! Ich liebe diese Art, zu leben! Aber es ist nun mal spannender, über Krisen zu berichten als über Glück, da erschöpft sich die Darstellung schnell - und was wäre z. B. aus "Anna Karenina"geworden, wenn ihr Mann der Scheidung zugestimmt und sie sich glücklich mit ihrem Grafen niedergelassen hätte? --- Seht ihr!